Selfcare vs. soziale Verantwortung, wo ziehen wir die Grenze?
- 3. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Wir alle kennen den Satz: „Priorisiere dich selbst.“ In den letzten Jahren ist dieser Gedanke fast schon zu einem Mantra geworden und das aus gutem Grund. Wir leben in einer Welt, die schnell, fordernd und oft überwältigend ist. Da ist es wichtig, sich selbst ernst zu nehmen, auf die eigene Gesundheit zu achten und Grenzen zu setzen.
Doch ich frage mich, kann dieses „sich selbst priorisieren“ auch zu weit gehen?
Natürlich ist es essenziell, sich selbst nicht ständig hintenanzustellen. Wer dauerhaft nur für andere da ist, läuft Gefahr, auszubrennen oder sich selbst zu verlieren. Grenzen zu setzen, Pausen einzulegen und auch mal Nein zu sagen, ist eine Form von Selbstrespekt.
Selfcare bedeutet aber nicht, dass man jede Form von Verpflichtung automatisch als Last sehen sollte.
Das Leben besteht nicht nur aus uns selbst, sondern auch aus den Beziehungen, die wir führen. Freundschaften, Familie, Partnerschaften, all das lebt von Geben und Nehmen.
Es ist völlig okay, mal einen Abend für sich allein zu brauchen. Aber, zu einem Geburtstag eingeladen zu sein, für eine Freundin da zu sein, die gerade eine schwere Zeit durchmacht, oder ein Treffen wahrzunehmen, das vielleicht nicht in den perfekten Moment fällt. Das alles gehört auch zu einer gesunden Beziehungskultur. Und manchmal bedeutet Freundschaft auch, sich selbst für einen Augenblick hintenanzustellen.
Ich hatte selbst schon Momente, in denen ich am liebsten alles abgesagt und mich ins Bett verkrochen hätte. Kein Antrieb, keine Lust auf Gesellschaft. Aber genau in solchen Situationen habe ich gemerkt, wenn ich mich doch aufraffe, fühle ich mich danach oft besser. Nicht, weil ich mich gezwungen habe, sondern weil menschliche Nähe, Gespräche und Lachen mir Energie geben.
Und ehrlich gesagt, für die Menschen, die uns wichtig sind, dürfen wir auch mal über unseren Schatten springen.
Mir geht es also nicht darum, Selfcare schlechtzureden. Im Gegenteil, ich finde es unglaublich wichtig, dass wir auf uns achten. Aber, Selbstfürsorge darf kein Freifahrtschein für Egoismus werden.
Denn das Leben dreht sich nicht nur um uns selbst. Freundschaften sind ein Versprechen und dieses Versprechen beinhaltet Verlässlichkeit, Zuwendung und manchmal auch Selbstlosigkeit.
Sich selbst zu priorisieren ist ein Akt der Liebe zu sich selbst. Aber Beziehungen zu priorisieren ist ein Akt der Liebe zu anderen. Beides gehört zusammen.


Du hast es richtig gut auf den Punkt gebracht, danke👏👏