In Beziehungen wieder mehr fordern
- 2. Okt. 2025
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Wir leben in einer Welt, in der fast alles nur einen Klick entfernt ist. Brauche ich eine Fahrt zum Flughafen, rufe ich ein Uber. Habe ich keine Zeit, mich um die Wohnung zu kümmern, buche ich über Helpling eine Haushaltshilfe. Rover kümmert sich um mein Haustier, während ich unterwegs bin, und Wolt liefert meine Einkäufe bis vor die Haustür. Bequemer geht es kaum.
Aber diese Bequemlichkeit hat ihren Preis, sie schwächt unsere Gemeinschaft.
Früher war es selbstverständlich, im eigenen Umfeld um Hilfe zu bitten. Nachbarn, Freunde, Familie, man fragte: „Könntest du mir bitte etwas aus dem Supermarkt mitbringen?“ oder „Kannst du mich dorthin fahren?“ Und oft bekam man nicht nur Unterstützung, sondern es entstand ein Gefühl von Nähe, Verbundenheit, gegenseitigem Vertrauen.
Es war ein Geben und Nehmen. Heute helfe ich dir, morgen hilfst du mir. Vielleicht entsteht daraus sogar ein gemeinsamer Abend, ein Gespräch, ein Stück echtes Miteinander.
Ich selbst bin in einer sehr großen Familie aufgewachsen, geprägt von der Generation der Babyboomer. Und dort war es immer selbstverständlich, sich gegenseitig auszuhelfen. Wenn jemand am Wochenende ein Bauvorhaben hatte, packten alle mit an. Musste jemand zu einem weiter entfernten Flughafen, sprang sicher ein Onkel ein, um die Fahrt zu übernehmen. Und ehrlich gesagt, Ich weiß gar nicht, wie viele Geräte ich mir nie kaufen musste, weil sie irgendwo in der Familie sowieso vorhanden waren und jederzeit ausgeliehen werden konnten.
Das war mehr als reine Praktikabilität. Es war ein Wir-Gefühl.
Heute sind wir oft zurückhaltend, wenn es darum geht, andere um etwas zu bitten. Wir denken: „Ich will niemandem zur Last fallen.“ Oder „Es ist doch viel einfacher, einen Service zu buchen, dann ist niemandem Umstände bereitet.“ Aber genau dadurch verlieren wir Nähe. Wir verzichten auf die kleinen Bande, die entstehen, wenn man füreinander da ist.
Und ganz ehrlich, was ist das Schlimmste, das passieren kann? Jemand sagt nein. Oder hat keine Zeit. Das ist verkraftbar. Aber viel häufiger passiert etwas anderes, Menschen freuen sich, helfen zu können. Es gibt ihnen das Gefühl, wichtig zu sein, gebraucht zu werden.
Vielleicht sollten wir uns wieder trauen, mehr zu fordern, nicht im Sinne von Egoismus, sondern im Sinne von echter Verbundenheit. Um Hilfe zu bitten, ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen von Vertrauen. Und es gibt der anderen Person die Möglichkeit, Großzügigkeit zu leben.
Lasst uns wieder öfter fragen, bevor wir klicken. Denn manchmal ist eine kleine Bitte der Beginn von mehr Nähe, mehr Gemeinschaft und mehr echter Beziehung.


Tolle Bemerkung! Mir ist auch schon aufgefallen, dass ich mich lieber um Sachen selbst kümmere, bevor ich anderen Umstände bereiten könnte. Von diesem Gedanken sollte man sich öfters lösen…