Freundschaft braucht Mühe
- 2. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Als Kind und Jugendliche war es selbstverständlich, Freundschaften entstanden fast von allein. Man saß nebeneinander in der Schule, teilte Pausenbrote oder den gleichen Lieblingsfilm und plötzlich war man beste Freunde. Nachmittage verbrachte man ohne Planung zusammen, man klingelte einfach an der Tür des anderen, und schon ging es los. Freundschaften waren leicht, sie ergaben sich fast von selbst.
Im Erwachsenenalter sieht das anders aus. Jeder ist beschäftigt mit Studium, Job, Partnerschaft, Familie, Verpflichtungen. Plötzlich leben Freunde nicht mehr ein paar Straßen weiter, sondern ziehen zum Studieren in eine andere Stadt, finden einen Partner und ziehen zusammen, starten ein neues Leben in einer anderen Region oder sogar in einem anderen Land. Die spontanen Treffen nach der Schule, das gemeinsame Abhängen im Jugendzimmer, die stundenlangen Gespräche auf dem Heimweg, all das gibt es nicht mehr.
Wer Freundschaften pflegen will, muss sich heute bewusst dafür entscheiden. Man muss Zeit freischaufeln, vielleicht weiter fahren, ein Wochenende investieren oder trotz Stress und Müdigkeit aktiv anrufen und fragen, wie es dem anderen geht.
Und genau darin liegt die Krux: Freundschaften im Erwachsenenalter entstehen und bestehen nicht mehr von allein. Sie brauchen Mühe. Manchmal muss man dafür auch verzichten, auf freie Zeit, auf Bequemlichkeit, auf das Sofa am Samstagabend. Aber genau das macht sie so wertvoll.
Denn Freundschaften sind eben kein „Nice-to-have“, kein Luxus für Zeiten, in denen gerade mal nichts Wichtigeres ansteht. Freundschaften sind essenziell. Sie geben uns Halt, sie erinnern uns daran, wer wir sind, wenn wir mal nicht funktionieren müssen. Sie füllen unseren Tank wieder auf, wenn das Leben uns ausgelaugt hat.
Ich finde es schade, dass Freundschaften in unserer Gesellschaft oft wie etwas Nebensächliches behandelt werden, während Karriere, Familie oder Partnerschaft als unverzichtbar gelten. Dabei können Freundschaften genauso tragend sein wie jede andere Beziehung im Leben. Und weil unsere Zeit knapper geworden ist, sollten wir sie nicht mit Menschen verbringen, die uns Energie rauben, sondern mit den richtigen. Mit den Menschen, die uns verstehen, die uns Kraft geben, die unser Leben bereichern.
Im Erwachsenenalter geht es nicht darum, viele Freunde zu haben, sondern die richtigen. Es geht darum, die weniger gewordene Zeit bewusst zu „opfern“, um Freundschaften zu vertiefen, echte Quality Time zu verbringen und in wichtigen sozialen Kontakten wieder aufzutanken. Freundschaft bedeutet nicht, ständig präsent zu sein, sondern da zu sein, wenn es wirklich zählt.
Vielleicht sollten wir damit aufhören, Freundschaften wie eine nette Dreingabe zu behandeln und anfangen, ihnen den Platz zu geben, den sie verdienen: als eine der wichtigsten Beziehungen in unserem Leben.


Schön, dass du das so siehst. Da kann ich nur zustimmen 😇