Die Freiheit, kinderlos zu bleiben
- 1. Sept. 2025
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Der Druck auf Frauen, Kinder haben zu wollen, ist überall spürbar. Dabei habe ich in meinem ganzen Leben noch nie den Wunsch verspürt, mein Leben mit Kindern zu bereichern. Ich habe andere Ziele, die mich antreiben. Ich möchte erfolgreich sein, finanziell unabhängig werden und stolz auf das sein, was ich aus eigener Kraft erreicht habe. Ich möchte mir Dinge leisten können, die ich mir in den Kopf setze und wenn ich dabei mit meinen Shopping-Exzessen die Wirtschaft am Laufen halte, dann betrachte ich das fast schon als meinen gesellschaftlichen Beitrag.
Kinder haben in meinen Plänen jedoch nie eine Rolle gespielt. Trotzdem wurde mir von klein auf vermittelt, dass dieser Wunsch selbstverständlich vorhanden sein müsse. Schon in meiner Pubertät saß ich mit Freundinnen zusammen und wir sprachen darüber, wie unsere Kinder einmal heißen sollen und ab welchem Alter wir sie bekommen wollen. Irgendwann hatte ich den Mut, ehrlich zu sagen, dass ich überhaupt kein Interesse daran habe. Auch Erwachsenen gegenüber. Und jedes Mal kam die gleiche Reaktion: „Das wird sich noch ändern“ oder „In deinem Alter dachte ich genauso“. Doch hier stehe ich, Jahre später, und nichts hat sich geändert. Babys finde ich niedlich, aber Babyfieber hatte ich nie.
Auch in früheren Beziehungen wurde mir vermittelt, dass Kinderkriegen nicht meine individuelle Entscheidung sei, sondern eine unausgesprochene Pflicht. Als Frau hätte ich nun einmal die Aufgabe, Kinder in die Welt zu setzen. Doch ich bin meinungsstark, und deshalb habe ich mich bewusst entschieden, unabhängig von Partnern oder gesellschaftlichen Erwartungen zu sagen "In meinem Leben wird es keine Kinder geben."
Die Reaktion darauf ist bis heute dieselbe. Ich werde nicht ernst genommen. Es heißt, ich hätte ja noch Zeit, und mein Alter sei der Grund, warum ich so denke. Ich habe aufgehört, mich darüber zu ärgern, weil es ohnehin nichts ändert. Aber merkwürdig finde ich es schon. Paare mit Kinderwunsch werden überall gefeiert, gratuliert und unterstützt. Niemand kommt auf die Idee, ihnen kritische Fragen zu stellen. Niemand fragt sie, ob es in einer überfüllten, von Klimakrise, Kriegen und Pandemien geplagten Welt überhaupt verantwortungsvoll ist, ein weiteres Kind hineinzusetzen. Niemand weist sie darauf hin, dass Ressourcen knapp sind, dass immer mehr Kinder in Armut aufwachsen, dass unser Sozialsystem schon heute ächzt, dass Bildungssysteme überlastet sind und dass psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen drastisch steigen. Im Gegenteil: Der Wunsch nach Kindern wird ohne Einschränkung respektiert.
Warum also nicht auch meiner? Warum wird meine Haltung als vorübergehende Laune abgetan, während der gegenteilige Wunsch als unanfechtbare Lebensentscheidung gilt? Ich bin diese Diskussionen leid. Alles, was ich mir wünsche, ist die gleiche Selbstverständlichkeit, die Elternpaaren entgegengebracht wird. Ein einfaches „Alles klar, das ist deine Entscheidung“ würde reichen.


Du hast die Thematik sehr gut zusammengefasst. Es ist schön zu sehen, dass es Frauen gibt, die sich nichts einreden lassen und meinungsstark bleiben